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NEWS-BLOG ZUM TECHNOLOGISCHEN, INDUSTRIELLEN UND INNOVATIVEN WALLIS

14.04.2021

«Was derzeit in Visp passiert, wird in die Geschichtsbücher eingehen»

Presse

Das Visper Lonza-Werk ist derzeit in aller Munde. Die Corona-Pandemie hat vieles verändert. Allein in diesem Jahr sollen 1200 Leute neu eingestellt werden. Der «Walliser Bote» hat sich darüber mit Standortleiter Renzo Cicillini unterhalten. Ein Auszug.

Lonza ist im Rausch, doch es besteht die Gefahr, dass Lonza auch am Limit läuft. Angestellte sagen, dass der Druck hoch und die Belastung enorm sei. Die Lonzianer müssen das enorme Tempo ausbaden.


Wenn Sie ein Haus in der vierfachen Geschwindigkeit bauen, sind die Arbeiterinnen und Arbeiter stark gefordert. Alles andere wäre gelogen. Und wir bauen nicht ein Haus, sondern eine komplexe Produktionsanlage mit einer neuen Technologie, neuen Prozessen, neuen Angestellten. Natürlich ist der Druck da. Und die Covid-Situation sorgt auch im privaten Leben für Stress. Ich wehre mich aber gegen die Behauptung, dass ein generelles Problem vorliegt.
 

Und Sie müssen Leute von anderen Abteilungen für die Impfstoffproduktion abziehen.
Das ist korrekt. Es handelt sich dabei um einen Balanceakt. Auf der einen Seite müssen wir die Impfstoffproduktion unterstützen, auf der anderen Seite dürfen wir unsere anderen Kunden nicht vergessen. Auch in anderen Bereichen gibt es Patientinnen und Patienten, die auf unsere Wirkstoffe warten.
 

Wie unterstützen Sie die Angestellten, die am Limit sind?
Wie gesagt: Wir verfügen über ein People Care Center, das den Angestellten zur Verfügung steht. Natürlich sind auch die Führungspersonen gefordert. Und mit den 1200 Personen, die wir in diesem Jahr neu anstellen, werden wir das System entlasten.
 

Das heisst, dass Sie 1200 Angestellte in den Betrieb integrieren müssen. Auch das ist eine Herausforderung.
Das ist so. Aber vergessen Sie bitte eines nicht: Was derzeit in Visp passiert, ist einzigartig, grossartig, wird in die Geschichtsbücher eingehen. Wir stehen in weltweiter Konkurrenz. In den USA oder Asien kosten Angestellte weniger. Daher müssen wir der Konkurrenz immer einen Schritt voraus sein – und das sind wir derzeit. Ich gehe jedoch davon aus, dass sich die Situation in den kommenden Monaten normalisiert.
 

Renzo Cicillini, wie wird sich Lonza in den kommenden Jahren verändern?
Die Veränderung wird dramatisch sein. Wir wandeln uns von der klassischen Chemie hin zu einem Pharmaunternehmen mit Fokus auf die Biotechnologie. Lonza wird sich aber auch von der Kultur her verändern. Wir haben Mitarbeitende aus 64 Nationen bei uns im Standort Visp. Und auch äusserlich wird ein Wandel erfolgen. So werden wir etwa den Eingangsbereich neu gestalten.
 

Wie wird sich das Oberwallis durch Lonza verändern?
Zum einen wird sich das Oberwallis aufgrund der vielen Angestellten ändern, die ins Oberwallis ziehen. Diese Angestellten sind auch Steuerzahler. Bereits heute zahlen wir 360 Mio. Franken an Löhnen aus – allein am Standort Visp. Dieser Betrag wird sich massiv erhöhen. Auch der Wohnungsbau wird angekurbelt. Kurz: Die ganze Region profitiert. Die Region muss aber auch mithelfen, diesen Wandel zu schaffen.

 

Quelle: Walliser Bote, Unsplash ThisisEngineering RAEng