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NEWS-BLOG ZUM TECHNOLOGISCHEN, INDUSTRIELLEN UND INNOVATIVEN WALLIS

13.02.2020

ZDF nimmt Walliser Spracherkennung unter die Lupe

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Man hat viel Geld für sein neues Gerät inklusive Sprachassistent ausgegeben, aber das Ding versteht nichts. Siri, Alexa und wie sie alle heissen, hören nur auf hochdeutsche Befehle. Wer also Schweizerdeutsch spricht, muss weiterhin selbst aus dem Fenster schauen, um zu erfahren, wie das Wetter draussen ist. Das könnte sich nun aber in Zukunft ändern, dank Recapp. Der deutsche Fernsehsender ZDF hat dem Walliser Start-up in seiner Sendung heute+ einen eigenen Beitrag gewidmet.

Sprachassistenten können verdammt praktisch sein, wenn sie verstehen, was man ihnen sagen will. Ganz einfache Fragen in Walliserdeutsch können zu amüsanten Antworten führen. «Schneit es am Donnerstag auch», lautet eine solche Frage. Die Antwort darauf ist ein Auszug aus einem Wikipedia-Eintrag zum Thema Schnitzen. Nichtsdestotrotz werden Sprachassistenten auch in der Schweiz immer beliebter: So soll bereits jede zweite Schweizerin, jeder zweite Schweizer mindestens einmal einen genutzt haben. Und das obwohl sie sich mit Dialekten schwertun. 

Ein Problem, das David Imseng gut kennt. Er hat vor fünf Jahren das Start-up Recapp gegründet, das Software zur Spracherkennung programmiert. Zum Einsatz kommt diese etwa in einer Fernbedienung für zig Dialekte oder bei Wortprotokollen in Parlamenten. «Das Schweizerdeutsche existiert nicht als geschriebene Sprache. Zudem sind wir sehr variabel auf kleinem Raum. Jedes Seitental hat seine Eigenheiten in der Aussprache. Das macht das Ganze sehr komplex», beschreibt er die Herausforderungen im ZDF-Beitrag.

Doch wie lernt eine Software überhaupt eine Sprache? «Einerseits haben wir Aufnahmen, die laufend korrigiert werden. So lernt das System stetig dazu. Dann kann es auf Ressourcen zurückgreifen, wie zum Beispiel Bücher, die in mehreren Dialekten erschienen sind», erklärt Imseng. Werden Apple, Google und Co. also irgendwann auch Schweizerdeutsch oder andere deutsche Dialekte verstehen? Bislang hat es sich für die grossen Anbieter wegen des kleinen Markts kaum gelohnt, Geld in die Hand zu nehmen. Dank der Arbeit von Recapp könnte sich das aber bald einmal ändern.


Quelle: Der Beitrag «Sprachassistenten vs. Dialekt» wurde am 3. Februar 2020 in der Sendung heute+ auf ZDF ausgestrahlt.